Arabische Filme im Programm europäischer Festivals sind schon lange keine Seltenheit mehr. Gelegentlich gewinnen sie sogar wichtige Preise, wie z.B. der Semi-Dokumentarfilm Ghost Hunting des palästinensische Regisseurs Raed Andoni bei der Berlinale 2017, bleiben aber nicht nur deswegen im Gedächtnis. Oft erinnert man sich eher deshalb an sie, weil sie aktuelle politische oder gesellschaftliche Themen aus einer Region aufgreifen, die im europäischen Bewusstsein momentan sehr präsent ist. Die Auswahl an arabischen Filmen bei größeren Festivals kann da nur unbefriedigend sein, schließlich geben sie nur einen sehr kleinen Einblick in eine ziemlich komplexe Welt.

Beim ALFILM, dem jährlich stattfindenden Arabischen Filmfestival in Berlin, besteht diese Gefahr schon deshalb nicht, weil auf dem Programm ausschließlich arabische Produktionen stehen. Dass das ALFILM eine Leerstelle schließt, zeigt sich auch daran, dass es mittlerweile zum neunten Mal stattfindet und jedes Mal wieder ein großes Publikum erreicht. 32 Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme haben es diesmal in die Programmauswahl des einwöchigen Festivals (11. bis 18. April) geschafft. Die Produktionen im Hauptprogramm behandeln so unterschiedliche Themen wie Frauenrechte in Tunesien (Beauty and the Dogs von Kaouther Ben Hania), ethnische und religiöse Konflikte in Syrien (Mein Paradies von Ekrem Heydo) oder das Fußballmilieu in Jordanien (17 von Widad Shafakoj).

Filme über Frauenrechte und Männlichkeitsmythen

Eröffnet wird das ALFILM von Beauty and the Dogs, der letztes Jahr in der Reihe „Un certain regard“ beim Filmfestival in Cannes lief. Nachdem die Studentin Mariam (Mariam Al Ferjani) am Rande einer Party von zwei Polizisten vergewaltigt wurde, muss sie im Krankenhaus und auf der Polizeiwache um ihre Würde kämpfen. Kaouther Ben Hania zeichnet damit das realistische Porträt einer nachrevolutionären Gesellschaft, in der konservative Kräfte die Oberhand behalten haben.

Die Reihe Spotlight widmet sich dieses Jahr der arabischen Männlichkeit. Unter dem Titel „Reflections on Arab Masculinities“ laufen Filme aus dem Libanon, Ägypten und Algerien, die sich mit Themen wie Sexualität (Room for a Man von Anthony Chidiac), Geschlechtsidentität (Cinema Fouad von Mohammed Soueid) und Machtstrukturen (Omar Gatlato von Merzak Allouache) befassen. Komplettiert wird das Spotlight von einem Vortrag der libanesischen Kuratorin Rasha Salti und einer Podiumsdiskussion u.a. mit Merzak Allouache, Mohammed Soueid und der libanesischen Dokumentarfilmerin Eliane Raheb.

Eine weitere Sonderreihe des ALFILM behandelt den 70. Jahrestag der Nakba, der Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung im Zuge der Staatsgründung Israels 1947. Gezeigt werden u.a. der historische Dokumentarfilm Al-Manam (1987) des syrischen Regisseurs Mohamad Malas und The Roof (2006) des palästinensischen Filmemachers Kamal Aljafari.

FANN Magazin ist dieses Jahr zum ersten Mal Medienpartner des Festivals. Ihr könnt euch also schon jetzt auf spannende Interviews mit Filmemacherinnen und Filmemachern aus der ganzen arabischen Welt freuen. Außerdem veröffentlichen wir Rezensionen der interessantesten Filme und berichten live rund um das Kino Arsenal am Potsdamer Platz. Mehr Infos zu Filmprogramm und Ticketverkauf gibt es auf der Website des Festivals. Wir sehen uns im Kino!