Die ägyptische Doku Happily Ever After (2016), die beim diesjährigen Arabischen Filmfestival ALFILM in Berlin lief, erzählt die Liebesgeschichte von Nada Riyadh und Ayman El Amir, die den Film gemeinsam gemacht haben. Nada verliebt sich während der Revolution in Ayman, doch ist ihre Beziehung nicht von Dauer: Wegen der Verschlechterung der politischen und gesellschaftlichen Lage entscheidet Ayman sich, Ägypten zu verlassen, um im Ausland als Künstler Karriere zu machen. Nada hingegen bleibt in Ägypten und weigert sich, ihren Traum von der Revolution aufzugeben.

Auf dem Tahrir Platz in Alexandria

Happily Ever After zeigt nicht einfach nur eine romantische Liebesgeschichte, sondern geht der Frage nach, wie sie durch Politik und Gesellschaft beeinflusst wird. Was macht der Wegzug des einen mit der anderen? Welche individuellen Strategien gibt es, sich mit der Revolution zu beschäftigen? Ein Großteil des Films wurde in Alexandria gedreht, wo Nada geboren wurde und aufgewachsen ist. Während der Revolution spielte die Stadt eine wichtige Rolle, auch dort gab es einen Tahrir Platz – wie in Kairo und vielen anderen ägyptischen Städten.

Filmstill Happily ever after

So beschwingt sieht man Nada selten in ihrer Doku Happily Ever After. © ALFILM

Je deutlicher das Scheitern der Revolution wird, desto offener zeigt Nada ihre Enttäuschung. Ein Freund, den sie während der Revolution kennengelernt hat, habe sie aufgefordert, beim Dreh ein Kopftuch zu tragen, erzählt Nada. Die Revolution müsse weite Teile der Bevölkerung integrieren, habe ihr Freund argumentiert, deswegen müsse man auf deren Sitten und Moralvorstellungen Rücksicht nehmen. „An diesem Punkt ist mir bewusst geworden, dass jeder von uns ein anderes Ziel im Kopf hatte, als wir auf die Straßen gegangen und ‚Revolution bis zum Sieg’ skandiert haben“, kommentiert Nada.

„Ich habe das Paradies schon gesehen“

Neben Freundinnen und Freunden interviewt Nada auch ihre Eltern, die laut eigener Aussage unpolitisch sind und die Zeit vor der Revolution repräsentieren. Besonders Nadas Mutter erzählt offen von ihren Ängsten. Ihr Vater hingegen äußert sich vorsichtiger, wenn er über die Zusammenhänge zwischen Abwesenheit, Liebe und Politik spricht. Nadas Bekannter Hani durchlebt eine ähnliche Situation wie sie: Sein Wegzug aus Ägypten läutet das Ende seiner Beziehung ein. Trotzdem ist Ägypten für ihn das Paradies auf Erden: „Ich habe das Paradies schon gesehen“, meint er in einer Szene des Films. „Ich habe die Zeit erlebt, als Menschen nach Ägypten eingewandert sind.“

Ayman und Nada erscheinen in Happily Ever After als sehr unterschiedliche Charaktere. Nada entscheidet sich bewusst dafür, das sinkende Schiff nicht zu verlassen. Ayman kämpft mit seinen inneren Konflikten. Dem Publikum mag er als unsympathischer Mensch erscheinen:  Obwohl er die gesellschaftlichen Erwartungen, die an ihn herangetragen werden, vehement ablehnt, kann er sich doch nicht von ihnen befreien. Insgesamt zeigt Happily Ever After ein realistisches Bild der politischen Lage Ägyptens.

Beim Arabischen Filmfestival im April stieß die Dokumentation aber auf Kritik. Der Film wirke unprofessionell, meinten einige Zuschauerinnen und Zuschauer. Nada Riyadh kommentiert das so: „Dass nur eine sehr einfache Kamera benutzt wurde, war eine bewusste Entscheidung. Ich wollte den Film genauso drehen, wie wir bei den Demonstrationen mit unseren Handys Fotos und Videos gemacht haben.“ Stoff für Diskussionen bot Happily Ever After aber trotzdem. Wenn man aus seinem Heimatland wegzieht, lässt man die Zurückgebliebenen dann im Stich? Ist es Wahnsinn, zu bleiben und die Revolution auf seine eigene Weise weiterzuverfolgen? Und kann man dem Wahnsinn entkommen, indem man sich verliebt?

Übersetzung: Mahadi Ahmed

Wafaa Albadry

Ägyptische Journalistin.

2018-05-25T16:21:06+00:00