Rosenblut

Es ist gut gegangen bis jetzt. Ich lebe. Hände, Augen, Finger, alles noch da. Ich lebe seit zehn Minuten. Atme normal.

Ich fürchte mich vor nichts. Die Kampfjets verschlingen den Rest der Stadt. Ich öffne das Herz, lasse die Stadt ein, weiß nicht, wohin mit ihrer Angst.

Was will der Kampfjet? Wen sucht er? Meine Geschwister?

Wir sind hier,

unser Blut ist aus Rosen.

Rosen geleiten uns

in den Tod,

heiter.

Ich öffne das Fester, schaue hinaus. Hohe Häuser. Die Straßen menschenleer. Der Himmel klar. Keine bösen Vorzeichen. Strahlender Sonnenschein. Nichts trübt die Stimmung. Bis auf einen Kampfjet und Vögel auf der Flucht.

Illustration Ahmad Naffory

© Ahmad Naffory

Damit ich einschlafe

Ich bin weit gelaufen. Das Herz den Frauen zugetan und die Ohren den Liedern. Mit geliehenen Sinnen und kleinen Geheimnissen schritt ich voran. An meiner Seite ein paar Freunde. Nun bette ich mich auf meinen Schmerz.

Damit ich einschlafe,

lege ich die rechte Hand auf mein Herz.

Niemand darin. Es beruhigt sich.

Damit ich einschlafe,

muss ich das Meer rauschen hören,

hören, wie es dem Sand entgegen tanzt.

Ich muss den Hufschlag hören,

hören, wie das Pferd im Galopp über meinen Rücken springt.

Doch ich schlafe nicht ein.

Das Projekt „Gedichte aus Gaza” wurde vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Programms Transformationspartnerschaft mit Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens gefördert. Projektmanagement: Nisreen Naffa, Auswahl der teilnehmenden Lyrikerinnen und Lyriker: Othman Hussein, Lektorat (Arabisch): Abed Al-Rahman Abu Shammala, Übersetzung & Lektorat (Deutsch): Leila Chammaa und Yousef Hijazi. 

Hani Al Biarie

Palästinensischer Lyriker.

2018-11-22T13:36:11+00:00