Rückzug

Die Welt,

ein Achtzigjähriger mit Buckel,

wird geführt von einer blinden Krücke.

Die Augen geschwollen, ihr Licht erloschen,

das Gesicht wie Thaddäus von einem Bart zugewachsen.

Rissig sind die Lippen,

zitternd wie die Sünde.

Die Welt,

ein Greis,

schleift uns

wie ein vom Jäger erlegtes Wild

hinter sich her.

Geradewegs

in den Abgrund.

Illustration Anas Salameh

© Anas Salameh

Verlust

Seit sie fortgingen,

zählen wir unsere Niederlagen.

Eine, zwei, drei,

vier, fünf, neun,

zweiundzwanzig,

neunzig …

Einst mächtige Spiegel,

stürzen wir uns nun von den Hochhäusern

und zersplittern zu bruchstückhaften Liedern.

Die Scherben des Verlustes

schneiden in unsere Rücken.

Anas Salameh Illustration

© Anas Salameh

Tote, die die Welt regieren

Gehsteige in Eile

versuchen wie gewohnt,

die Füße einzuholen,

die einander folgen

in den Tod.

Die Toten dort,

am Ende der Straße,

ertasten ihr Gestorbensein

und gleiten

wie ein überholtes Datum

in die Tiefen der Unvergänglichkeit.

Öde Straßen

treiben die Menschen

wie hungrige Schafe.

Gehsteige sprechen zu den Asketen,

fragen sie, wohin sie gehen

so vertrauensselig auf diesem Weg,

den sie beschreiten müssen.

Das Projekt „Gedichte aus Gaza” wurde vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Programms Transformationspartnerschaft mit Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens gefördert. Projektmanagement: Nisreen Naffa, Auswahl der teilnehmenden Lyrikerinnen und Lyriker: Othman Hussein, Lektorat (Arabisch): Abed Al-Rahman Abu Shammala, Übersetzung & Lektorat (Deutsch): Leila Chammaa und Yousef Hijazi. 

Hisham Abou Asaker

Palästinensischer Lyriker.

2018-09-17T12:32:37+00:00