Die dunkle Wolke, weit entfernt, erinnert mich an jenen Tag. Im kleinen Zimmer steht sein Bett direkt neben meinem. Er sagt, er wolle sein Bett in der Nähe des Balkons haben, der aufs Meer hinausgeht, um den Anblick am Morgen vor seiner Abfahrt genießen zu können. Ohne mich zu bewegen, schiebe ich mein Bett an die gegenüberliegende nackte Wand, deren nicht auszuhaltendes Weiß weder durch einen Balkon noch ein Gemälde begrenzt wird. Ich sitze vergnügt neben dem Bett.

„Wir können morgen früh auf dem Balkon sitzen, einen Kaffee trinken und die Möwen und Schiffe auf dem Meer beobachten“, sagt er, während er sich fürs Bett fertig macht und seine Kleidung auszieht. Ich sage lieber nichts, denke ich und tue so, als hätte ich nicht gehört, was er gerade gesagt hat. Ich weiß genau, dass er vor elf Uhr nicht aufstehen wird. Oft wacht er erst gegen Nachmittag auf. Das Meer, die Möwen und Schiffe, der Morgenkaffee und das Fladenbrot mit Zatar und Öl, das ich zum Frühstück vorbereitet habe, sind ihm egal. Solch einmalige Momente sind ihm gleichgültig, obwohl er weiß, dass sie sich nicht wiederholen werden.

Ich hingegen stehe vor dem Morgengrauen auf, koche mir einen Kaffee, sitze ruhig auf seinem Balkon und höre währenddessen die Morgenlieder der Königin Fairuz.

Illustration Annie Kurkdjian

© Annie Kurkdjian

Da sagt er plötzlich, als ob er meine Gedanken gelesen hätte: „Ich werde vor dem Morgengrauen aufstehen. Du weißt ja, ich habe einen Termin.“ Lachend fügt er hinzu: „Es geht um dich.“

Mit schläfrigen Augen wache ich auf. Meine zitternden Finger suchen den Lichtschalter und knipsen das Licht an. Ich schaue auf die Uhr und sehe, dass es halb sechs ist, genau die Uhrzeit, zu der er aufstehen wollte. Ich bin überrascht über meinen inneren Wecker. Er weckt mich ohne Dringlichkeit und begeht nie ein Fehler. Wofür sollte ich einen echten Wecker haben? Ich beobachte ihn, er schläft tief. Sein Gesicht ist zur anderen Seite gewendet. Sein Kopf liegt auf seiner rechten Hand anstatt auf dem Kissen. Ich warte, bis er von allein aufwacht, sage ich mir.

Ich erinnere mich, wie ich oft mitten in der Nacht von seinem Murmeln geweckt worden war. Was er zu sagen versuchte, konnte ich nicht verstehen. Er wirkte jedoch, als ob er gegen schwarze oder rote Dämonen kämpfen müsse, die nur in seiner Welt und nicht in meiner existierten. Ich lasse ihn weiterschlafen, sage ich zu mir selbst.

Beinahe hätte ich ihn aufgeweckt – da wache ich selbst aus meinem Traum auf, knipse das Licht aus, lege mich neben ihn und schlafe weiter. Ich vergesse die weiße Wand, den Kaffee, den Balkon mit Meerblick und seinen Termin morgen früh um sechs Uhr.

Übersetzung: Mahadi Ahmed