Es vergeht kaum ein Tag in Berlin, an dem keine arabische Kulturveranstaltung stattfindet. Das ganze Jahr über reißen die Events nicht ab, doch kaum eins wird institutionell organisiert. Deshalb hat der syrische Verleger Safi Alaa Eddin den Verein Mada für kulturelle Bildung gegründet. „Nach über zwei Jahren in verschiedenen Kulturprojekten war es an der Zeit, eine organisatorische Grundlage zu schaffen“, erzählt Alaa Eddin. „Wir wollten regelmäßig stattfindende Veranstaltungen koordinieren, das gesamte Kulturspektrum abdecken und Deutschen wie Neuankömmlingen die Möglichkeit geben, einen besseren Überblick über das existierende Kulturangebot zu bekommen.“

Mada wurde im Mai 2017 in den Räumen des Vereins Ulme 35 gegründet, der auch anderen Organisationen ein Dach über dem Kopf bietet. „Ulme 35 hat uns den Weg geebnet“, meint Safi Alaa Eddin. „In dem Vereinsgebäude in der Ulmenallee im Berliner Westend gibt es einen großen Veranstaltungssaal mit 150 Plätzen und mehrere Räume für kleinere Anlässe.“ Zu den Gründern von Mada gehören neben dem Verleger auch Pelican Murad, Juliet Krieh, Elvira Tasbach, Samira Masalmeh, Zakaria Sakkal, Anwar Badr und Muna Asad. „Wir haben schnell bemerkt, dass es vielen Syrern im Exil an Knowhow im Bereich Eventorganisation fehlt“, erzählt Alaa Eddin von den ersten Monaten. „Mit Mada haben wir einen offiziellen Träger schaffen.“ Das Publikum der vom Verein organisierten Konzerte und Lesungen bestehe aus Deutschen, Eingewanderten und Neuankömmlingen aus Syrien und dem arabischen Raum. Die meisten Veranstaltungen würden daher gedolmetscht.

Jede Woche ein neues Event

Auf Dauer will Mada nicht nur in Berlin aktiv sein, sondern seine Arbeit auf andere Länder in Europa ausweiten. In den sieben Monaten seit seiner Gründung hat der Verein jede Woche neue Events organisiert, darunter Lyriklesungen mit Turki Abdelghani, Widad Nabi und Lina Atfeh, ein Seminar über feministische Literatur mit Nemat Khaled und Najat Abdul Samad und eine Signierstunde mit dem syrisch-kurdischen Romanschriftsteller Hoshank Osi, der mit seinem Buch Das Gewicht des Gewissens 2017 den Katara-Preis für den besten arabischsprachigen Roman gewonnen hat. Dazu kommen Konzerte mit Matar, Mazzaj und der Abdelkader Asli Band. Außerdem zeigte Mada Dokumentarfilme über Folter in den Gefängnissen des Assad-Regimes und Kurzfilme des jungen Regisseurs Dellair Youssef. Im letzten Jahr organisierte das Team um Safi Alaa Eddin außerdem zwei Gedenkveranstaltungen anlässlich der Todestage der Schauspielerin und Regimekritikerin Fadwa Suleimane und des kurdischen Aktivisten Mashaal Timo.

All diese Veranstaltungen gipfelten im Oktober 2017 in einer ersten „Syrischen Kulturwoche“, die Mada in Zusammenarbeit mit dem Syrischen Zentrum für Medien und Meinungsfreiheit, dem Levante Verlag und Ulme 35 organisiert hat. Im Rahmen der Kulturwoche wurden Werke von Künstlerinnen und Künstlern ausgestellt, die trotz des Kriegs noch in Syrien leben. Der Gewinn aus dem Verkauf ihrer Gemälde kam ihnen in voller Höhe zugute. In einer anderen Ausstellung wurde an Kunsthandwerkerinnen erinnert, die schon seit Jahren in den Gefängnissen des syrischen Regimes sitzen. Außerdem fanden die erste arabische Buchmesse in Berlin und mehrere Literatur- und Musikabende statt.

Die Kulturwoche war für Mada auch der Anlass, einen Literaturwettbewerb für junge syrische und syrisch-palästinensische Autorinnen und Autoren auszurufen. Talente unter 35, die bei konventionellen Wettbewerben oft leer ausgingen, sollten so gefördert werden. „In Zukunft wollen wir die syrische Kulturwoche auch in anderen europäischen Städten abhalten“, meint Alaa Eddin. „Die Veranstaltung und der angeschlossene Literaturwettbewerb sollen zu einer festen Größe im Kulturkalender werden.“

Übersetzung: Rashad Alhindi

Dina Abol Hosn

Syrische Journalistin und Übersetzerin.

2018-02-21T14:51:35+00:00