Die 2018 gegründeten Arabisch-deutschen Literaturtage Berlin gehen in die zweite Runde. Das Festival präsentiert in diesem Jahr Schriftsteller*innen aus Ägypten, Syrien, Tunesien, Palästina, Österreich und Deutschland. Wir betreiben den arabisch-deutschen Dialog, laden ein zur Diskussion über zeitgenössische Prosa, Lyrik und Comics und fragen: Warum hat es arabischsprachige Kultur in Deutschland so schwer? Schirmherr der Literaturtage ist der palästinensische Lyriker Ghassan Zaqtan.

Literatur, Musik und Comic-Kunst

Am ersten Tag des Festivals begegnen sich die ägyptische Autorin Basma Abdelaziz und Kathrin Röggla aus Österreich auf unserer Bühne. Außerdem lesen wir Texte von Künstler*innen, die unbedingt dabei sein müssten, jedoch aus politischen Gründen inhaftiert wurden. Abgerundet wird der Abend mit Live-Musik von Rasha Nahas aus Haifa.

Verfemte Sprachen

Am zweiten Tag diskutieren wir mit Othman Selmi aus Tunis und der Berliner Künstlerin Burcu Türker über Comic-Kunst. Und auch das Thema Übersetzung darf bei einem deutsch-arabischen Literaturfestival nicht fehlen. Abschließend widmen wir uns dann ganz der Lyrik: mit Gedichten aus Ramallah und einer deutsch-arabischen Lyriknacht.

Das Festival findet am 25. Oktober (17-23 Uhr) und 26. Oktober (13-23 Uhr) statt. Veranstaltungsort ist Baynatna. The Arabic Library in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Breite Str. 30-36, 10178 Berlin-Mitte. Der Eintritt ist frei. Kuratiert wird das Festival von unserer Chefredaktion Ramy Al-Asheq und Lilian Pithan sowie von Dr. Ines Kappert. Alle Veranstaltungen werden von Leila Chammaa, Youssef Hijazi und Dr. Günther Orth simultan gedolmetscht.

Warum machen wir dieses Festival?

Immer wieder passiert es, dass ganze Sprachen mit Terror assoziiert werden. Für das Arabische ist das spätestens seit 9/11 der Fall. Wie sehr diese von rund 300 Millionen Menschen gesprochene Sprache bis heute kriminalisiert wird, erfahren hier im Exil lebende Menschen auf vielfache Weise. In der U-Bahn müssen sie erleben, wie bereits ein Telefonat auf Arabisch dazu führen kann, dass Mitfahrende sie misstrauisch beobachten.

Verbreitet ist auch die Annahme, dass Männer aus dem arabischen Raum per se eine patriarchale Gefahr darstellten und Frauen entsprechend vor allem Opfer seien – auch dieses Stereotyp trägt zur Abwertung arabischsprachiger Menschen bei. Nicht zuletzt erfahren Autor*innen, wie schwer es als Arabischmuttersprachler*in ist, deutsche Verlage für sich zu gewinnen. So ist die Kenntnis der arabischen Literatur hierzulande noch eher begrenzt, auch wenn sich seit 2015 eine gewisse Öffnung bemerkbar macht. Umso wichtiger ist es, den arabisch-deutschen Dialog weiter zu fördern und Arabisch als Kultursprache im hiesigen Kulturbetrieb zu verankern.

Das Festival findet in Kooperation mit dem Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. und FANN Magazin statt, unterstützt von Baynatna. The Arabic Library, Freunde Arabischer Kunst und Kultur e.V. und der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Es wird gefördert durch den Deutschen Übersetzerfonds, Berlin Mondiale und A. M. Qattan Foundation.