Soldaten trampeln über mich hinweg.

Tod, du ziehst langsam vorüber wie der Mittag.

Mein Körper ist der Pfad zu deinem vermeintlichen Triumph,

aber der ist dir nicht vergönnt,

nicht vergönnt.

Die Worte werden dich bezwingen,

wenn der Dichter berauscht singt:

Es lebe die Besiegte.

Es leben Nacht, Einsamkeit, Geplauder.

Der Wind weht langsam.

Es wird Zeit zu gehen

in einen weniger grünen Norden,

an einen Ort ohne Panzer und Bomben.

Die Erde hier ist schwarz verhangen,

der Boden hebt sich und sinkt,

hebt sich und sinkt,

sinkt,

sinkt.

Illustration Kareem Sadoon

© Kareem Sadoon

Mauern stürzen ein über den Toten.

Ich zähle die Opfer.

Tränen glitzern in den toten Augen,

lassen sie wie lebend erscheinen.

Ich zähle die Opfer,

vielleicht liege auch ich zwischen den Leichen,

das Gesicht am Boden.

Mir bleibt nur das Dichten, Tod.

So schriebe ich nieder, was ich sah.

Das Blutbad.

Doch die Liebe wirst du mir nicht nehmen, Tod.

Im Nachruf der Fremden auf die Fremden

spricht der Tote zu dem marmornen Grabstein:

Erhelle das Dunkel um mich ein wenig,

damit ich Gott sehe,

wenn er mir Gesellschaft leistet in meiner Einsamkeit,

wenn er mit mir spricht über meine Vergehen,

wenn er mir vergibt,

mir vergibt,

mir

vergibt.

Das Projekt „Gedichte aus Gaza” wurde vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Programms Transformationspartnerschaft mit Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens gefördert. Projektmanagement: Nisreen Naffa, Auswahl der teilnehmenden Lyrikerinnen und Lyriker: Othman Hussein, Lektorat (Arabisch): Abed Al-Rahman Abu Shammala, Übersetzung & Lektorat (Deutsch): Leila Chammaa und Yousef Hijazi. 

Palästinensischer Lyriker.

2018-10-23T14:13:01+00:00