Ich streue die Krumen in meine Tasche

Wie eine kaputte Tür schließe ich nicht mehr.

Die Wunde liegt offen.

Ich kleide mich in ein Gewand aus Stolz.

Ein Gewand, von steter Gleichgültigkeit zerfressen.

Traurig,

die Liebe in der Schule der Herzlosigkeit zu erlernen.

Zwecklos,

ein zerschlissenes Kleid zu flicken.

Morgens ist mein Gesicht frisch wie warmes Brot,

abends streue ich die Krumen in meine Tasche und gehe.

Mein Herz fällt.

Ich hebe es auf, setze es in eine Ecke,

versichere ihm, dass ich nicht verschwinden werde.

Warum also folgt es mir?

Warum spürt es in jedem Wort nach meinem Geruch?

Illustration Marwa Alnajjar

© Marwa Alnajjar

Flüstern

Hört endlich auf damit, Stimmen!

Klopft nicht immer an das Gedächtnis!

Verschwindet

dahin, wo kein Platz ist für euer beharrliches Nein!

Bückt euch, wenn ihr an meinem Fenster vorübergeht!

Hört auf zu kratzen!

Oder nein,

kommt her, kommt zu mir auf mein Kopfkissen,

flüstert mir etwas zu, damit ich einschlafe,

streicht über mein Haar,

summt etwas,

zählt die Gebote der Propheten auf,

erzählt von Liebespaaren,

tuschelt mir eure Geschichten ins Ohr!

Alles will ich hören.

Ich schlafe ein.

Verlasst mich nicht, Stimmen!

Im Winkel meines Herzens ist genug Platz für euch.

Sagt, kennen Verliebte die Weisheit?

Säuselt die Antwort in meinen Schlummer!

Und schleicht ihr euch ein in mich,

dann lasst zurück

das Schnarchen der Schlafenden,

den Ruf vom Minarett, Krach und Motorenlärm!

Kommt allein,

sprecht zu mir, wiegt mich,

nehmt meine Hand, wenn sie zuckt!

Vielleicht schlafe ich dann ein.

Das Projekt „Gedichte aus Gaza” wurde vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Programms Transformationspartnerschaft mit Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens gefördert. Projektmanagement: Nisreen Naffa, Auswahl der teilnehmenden Lyrikerinnen und Lyriker: Othman Hussein, Lektorat (Arabisch): Abed Al-Rahman Abu Shammala, Übersetzung & Lektorat (Deutsch): Leila Chammaa und Youssef Hijazi.